Lesen Sie ruhig weiter

»Guten Tag, ist bei Ihnen noch ein Platz frei?«
»Selbstverständlich.«
»Ziemlich gut besetzt heute, der Zug.«
»Stimmt.«
»Aber ich sehe, dass Sie am Lesen sind, da will ich Sie nicht länger stören.«
»Danke schön.«
»Sehr gerne.«
»…«
»Von diesem Buch hört man ja zurzeit sehr viel.«
»Ach ja?«
»Ja. Gerade kürzlich kam eine Sendung im Radio, da wurde es besprochen.«
»Okay.«
»Ich höre mir sehr gerne Radiosendungen an. Man fühlt sich dann nicht so alleine. Und man kann währenddessen dies und das erledigen. Die Zeit vergeht dabei wie im Flug. – Aber Sie möchten jetzt bestimmt gerne weiterlesen.«
»Danke.«
»Die Geschichte soll ja sehr spannend sein.«
»…«
»Meine Mutter hat auch immer viel gelesen. Und sie mochte es gar nicht, wenn wir Kinder sie dabei störten.«
»Hm.«
»Sie wurde dann richtig wütend.«
»…«
»Ich kann das gut verstehen. Man ist konzentriert und irgendwie in einer anderen Welt – und dann kommt jemand und reisst einen einfach so brutal heraus …«
»…«
»Man verliert doch auch den Faden. Ich kenne das vom Zeitunglesen in der Kneipe. Ständig redet einer rein und gibt seinen Senf dazu. Das ist doch ärgerlich!«
»…«
»Aber solche Typen gibt es eben überall. Denen fehlt es einfach am nötigen Anstand. Und an Respekt!«
»Bitte entschuldigen Sie, aber ich möchte jetzt wirklich gerne weiterlesen!«
»Aber natürlich, das verstehe ich doch. Ich bin schliesslich nicht so einer. Wenn jemand dafür Verständnis hat, dann ja wohl ich!«

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2 Gedanken zu „Lesen Sie ruhig weiter

  1. stippgruetze

    Ein weiterer Fahrgast setzt sich dazu.

    „Ich hoffe, dieser Platz ist noch nicht besetzt?“
    „Nein, nein, setzen Sie sich nur.“
    „Ein merkwürdiges Wetter ist das heute. Ich habe vorsichtshalber meinen Schirm mitgenommen.“
    „Das kann man wohl sagen. Ich bereue schon, meinen daheim gelassen zu haben.“
    „…“
    „Oh, ich sehe, die Dame liest das Buch, welches mir erst letzte Woche empfohlen wurde.“
    „Ja, ich habe auch schon davon gehört. Vielleicht sollten wir etwas leiser reden.“
    „Gewiss, gewiss. Das gebietet die Höflichkeit.“
    „…“
    „Ich weiß nicht, ob ich es lesen möchte. Es soll auch einige Schwächen aufweisen.“
    „Wirklich?“
    „Ja, die Wendung am Ende soll schwer nachvollziehbar sein. So las ich jedenfalls.“
    „Erzählen Sie.“
    „Also, die Protagonistin entpuppt sich schließlich als…

    Antwort
  2. ©lz

    Dritter Fahrgast kommt hinzu…
    Ach die Dame so vertieft / ja / sie liest den Roman der doch am Ende so eine schwierige Wendung nehmen soll / haben sie ihn gelesen.
    Nein nein / ich lese nicht.
    Habe es gehört / ja wir auch / scheint schwierig.
    Sie stört es doch nicht wenn wir reden ?
    oder…..

    Antwort

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